C01 (Brüggen / Bonn)
Irisierende Erzählkunst: Die Kunst der Charakterdarstellung in Wolframs von Eschenbachs Parzival
Das Projekt widmet sich der literarischen Figur, wobei Wolfram von Eschenbachs Parzival als exemplarisches Untersuchungsobjekt dient. Parzival, ein Kerntext im Bereich der mittelhochdeutschen höfischen Romanistik, weist eine außergewöhnliche Fülle an literarischen Figuren auf. Erstens strebt das Projekt danach, einen Rahmen für die Charakteranalyse zu definieren. Zweitens soll es unser Verständnis eines markanten Meilensteins in der Geschichte des (mittelalterlichen) Erzählens fördern, indem es die literarische Darstellung von Figuren und Figurenkonstellationen viel umfassender untersucht, als dies bisher der Fall war.
C02 (von Contzen / Freiburg)
Figur und Bewegung in Geoffrey Chaucers Canterbury Tales
C02 untersucht, wie sich Figuren in vormodernen Texten „bewegen“: im Sinne von Körperbewegung, metaphorischer Bewegung sowie der Bewegung des Textes selbst. Ausgehend von embodiment-Theorien der kognitiven Narratologie erforscht das Projekt, wie Bewegungsdarstellungen die Wahrnehmung von Figuren beeinflussen. C02 analysiert vormoderne Figuren und ihre Bewegungsformen und entwickelt eine bewegungsorientierte Figurentheorie für die vormoderne Literatur. Im Zentrum steht dabei Geoffrey Chaucers Canterbury Tales, deren vielfältige Figuren und Gattungen sich besonders für vergleichende Untersuchungen eignen.
C03 (Eggert / Bochum)
Über das Leben sprechen mit/über die Toten: Charakter und Themenkonstitution in koreanischen Trauerritualtexten des 16. bis 18. Jahrhunderts
Das TP untersucht narrative Elemente in vormodernen koreanischen chemun: Ansprachen an Verstorbene, die im Rahmen von Trauerritualen verlesen wurden. Die Analyse hat zwei miteinander verbundene Schwerpunkte: zum einen die Funktionen des Erzählten für die Konstitution von Charakter und Subjektivität; zum anderen die angewendeten Erzähltechniken, wie z.B. Fragmentierung, Poetisierung und Dialog. Die Ergebnisse werden anhand anderer biographischer Genres überprüft, mit dem Ziel einer vorläufigen Narratologie vormoderner koreanischer Lebenserzählungen.
C04 (Kollatz / Heidelberg)
Karrieren erzählen – Gesellschaft erzählen: Narrativität und Intertextualität biografischer Kompendien der Mamluk-Periode (1250–1517)
C04 konzentriert sich auf die narrative Kommunikation mit und über individuelle Biografien in mamlukischen biografischen Kompendien. Biografische Erzählungen spielten eine grundlegende Rolle bei der Verhandlung und Darstellung des (persönlichen) Lebens. Der thematische Rahmen wird durch Beziehungen starker asymmetrischer Abhängigkeiten definiert, wie teilweise befristete militärische und häusliche Sklaverei, die die Mamluk-Gesellschaft prägten und sich in den biografischen Kompendien widerspiegeln. C04 will die narrative Struktur und Funktion dieser Abhängigkeiten, aber auch der biografischen Kompendien besser verstehen.
C05 (Reinöhl / Freiburg)
Wiederholungen in großen und kleinen Erzählungen der mündlichen Überlieferung im östlichen Himalaya – von Überlagerungen bis zu Parallelismen
C05 untersucht Wiederholungen als zentrales narratives Mittel in der vom Aussterben bedrohten mündlichen Überlieferung der Himalaya-Kultur Igu. Im Gegensatz zu vielen anderen mündlichen Kunstformen der Region blieb Igu weitgehend unbeeinflusst von dominanten Religionen oder Sprachen. Daher bewahrt es möglicherweise archaischere sprachliche oder stilistische Muster. Als Ausgangspunkt für eine narratologische Analyse von Igu untersucht dieses Projekt Wiederholungen von Makro-Strukturen (Überlagerungen) mit zyklischen zeitlichen Rücksetzungen bis hin zu Mikro-Strukturen wie Synonymie und anderen parallelen Begriffsbeziehungen.