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Zusammenfassung des Forschungsprogramms

Menschen haben schon immer Geschichten erzählt. Über alle Epochen und Kulturen hinweg spielten Erzählungen eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt. Der geplante Transregio-SFB „Historical and Transcultural Narratology“ untersucht vormoderne (antike, mittelalterliche, frühneuzeitliche) Erzählungen aus verschiedenen kulturellen Kontexten, mit dem Ziel, die Dynamik und die Funktionen des Erzählens in vergangenen Kontexten systematisch und vergleichend zu untersuchen. Dabei wird eine komparatistische sowie historisch und kulturell sensible Perspektive eingenommen. Der TRR möchte eine neue historisch-transkulturelle Narratologie entwickeln, die die Voreingenommenheit der sogenannten ‚klassischen‘ (und immer noch aktuellen) Erzähltheorie und deren engen Fokus auf westliche und moderne/postmoderne Traditionen überwindet. Die Erzähltheorie, die der SFB entwickeln möchte, soll historisch und kulturell inklusiv und flexibel genug sein, um unterschiedliche historische Erzählformate und -funktionen aus ganz verschiedenen kulturellen Kontexten zu erfassen und so neue Wege für eine komparative, interdisziplinäre Literatur- und Kulturwissenschaften auf globaler Ebene eröffnen.

Methodologisch verbindet der TRR zwei neuere Ansätze der Erzählforschung: die historisch-diachrone Narratologie sowie die transkulturelle Analyse von Erzähltexten. Die Kombination von Ansätzen, die sich auf ‚altes‘ Material und ‚fremde‘ Kulturen stützen, unterscheidet sich grundlegend von den vorherrschenden Trends in der Erzähltheorie, die sich zum einen fast ausschließlich auf moderne Erzählungen konzentrieren (d.h. auf Texte, die nach 1800 verfasst wurden) und zum anderen auf Erzählungen abheben, die in westlichen Kulturen entstanden sind, mit einer problematischen Engführung auf englischsprachige Texte. Der geplante TRR untersucht die räumlich-zeitlichen Dimensionen von Erzählformen und ist fokussiert auf Erzählpraktiken in einer transkulturellen Perspektive jenseits der genannten biases. Eine solche umfassende Analyse der historischen und transkulturellen Dimensionen des Erzählens ist umso dringlicher, als sie das Potenzial hat, die etablierten westlichen Annahmen der Literaturgeschichte, die oft zutiefst eurozentrisch sind, in Frage zu stellen und sie durch ein neues Verständnis von Erzählformen in ihrer historischen und globalen Heterogenität und Vielfalt zu ersetzen. Ziel des TRR ist es daher, Ansätze und Erkenntnisse aus der historisch-diachronen Untersuchung von Erzähldiskursen mit der Analyse von Erzählformen und Genres auf der räumlich-kulturellen Ebene der Transkulturalität zu verknüpfen. Die erwarteten Forschungsergebnisse werden sowohl einen umfassenden historischen und transkulturellen Vergleich des Erzählens in globaler Perspektive ermöglichen als auch einen grundlegend neuen Blick auf die Genese, Variabilität und Funktionen von Erzählformen bieten.